Susanne Leeb

Zeitlos schön, ewig modern. Gibt es eine Kunst des Posthistoire?

 

Die Zeitlosigkeit der Moderne, eine auf reiner Formensprache beruhende Klassizität, gehört zu den wichtigsten Topoi der 1950er Jahre. Die Interbau 1957 entwarf modernes Leben entsprechend als ein Set zeitloser Formen, Muster und Materialien, mit und in denen es sich wohnlich einzurichten galt. Der Beitrag möchte diese Form von Zeitnarration untersuchen und fragt, welche rhetorischen Stellenwert der „Urgeschichte“ im Nachkriegkontext zukommt, denn die „Urzeit“ taucht häufig auf: Der Soziologe und Philosoph Arnold Gehlen schrieb „Urmensch und Spätkultur“ (1956), der Bildhauer Henry Moore nannte eine Skulptur „Paläolithic Women“ (1956), Willi Baumeister orientierte sich prähistorischer Felsmalerei oder der Architekt Hans Scharoun richtete in der direkten Nachkriegszeit seine Pläne für den Neuaufbau Berlins an dem Berliner Urstromtal aus. Hat dies im Nachkriegskontext zwar auch einen spezifischen rhetorischen Stellenwert zur „Neubegründung“ der Kultur nach der Stunde Null, so findet gleichzeitig die Diagnose des Posthistoire – das sogenannte Ende der Geschichte – in dem Interesse für das Urzeitliche seinen Widerhall. Wie das Interesse für die Prähistorie und die Diagnose des Posthistoire in den 1950er Jahren zusammenhängen und wie es sich von hier aus mit dem zeitlosen modernen Leben in einer jungen BRD verhält, wird in dem Artikel zu fragen sein.