Steffen de Rudder

Missionsgedanke und Moderne – Die Berliner Kongresshalle im Kalten Krieg: Zur politischen Programmierung eines Westberliner Wahrzeichens

 

Die Berliner Kongresshalle war der amerikanische Beitrag zur Interbau 57 Berlin. Sie war ein Geschenk der Amerikaner, die in der geteilten Stadt mit dem Gebäude an der Sektorengrenze ein Symbol der westlichen Welt schaffen wollten. Entworfen wurde die Kongresshalle von Hugh Stubbins, einem amerikanischen Architekten aus Cambridge, der in Harvard Assistent von Gropius gewesen war. Bei ihrer feierlichen Eröffnung im September 1957 sorgte die spektakuläre Architektur für allgemeines Aufsehen und breite Begeisterung.

 

Die Konstruktion des großen Daches jedoch war höchst umstritten. In der von Frei Otto angestoßenen „Kongresshallendebatte“ wurden das Verhältnis von Form und Konstruktion und die vermeintlich übertriebene Monumentalität der Kongresshalle heftig kritisiert. Deren starke Zeichenhaftigkeit aber war Programm; handelte es sich hier doch um ein Propagandagebäude, das im Kulturkampf des Kalten Krieges moderne Architektur als Ausdruck westlicher Freiheit und technologischer Fortschrittlichkeit gegen den Neoklassizismus sowjetischer Prägung in Stellung bringen sollte. Zur Ironie der Baugeschichte gehört es, dass sich der Wille zur „freien Form“ als Symbol der „freien Welt“ über alle Rationalität hinwegsetzte, die statische und konstruktive Vernunft eingeschlossen, – bis es zum Zusammenbruch des großen Daches im Jahr 1980 kam, das soviel Symbolik nicht mehr tragen konnte.