Renate Flagmeier/Nicola von Albrecht

Sich einrichten. Die Wohnberatung des Deutschen Werkbundes

 

Die alte Werkbund-Frage Wie wohnen? stellte sich angesichts der herrschenden Wohnungsnot nach 1945 neu. Der Werkbund sah hier eine Chance, seine bereits in den 20er Jahren entwickelten Maximen für eine moderne Wohnkultur durchzusetzen. Ein Novum waren die Wohnberatungsstellen. Hier konnte der interessierte Besucher mit professioneller Hilfe Grundrisslösungen erarbeiten. Zu sehen gab es Material vom Tapetenmuster bis zum Teeservice, vorbildliche Interieurs und Ausstellungen zur Guten Form. Die Feinde, gegen die der Werkbund zu Felde zog, hießen Chippendale und Gelsenkirchener Barock, Nierentisch und Tütenlampe. „Funktion statt Repräsentation“ war der Schlachtruf. Die Musterwohnungen des Berliner Hansaviertels waren in den 50er Jahren das wohl bedeutendste Schaufenster für das vom Werkbund propagierte zeitgemäße Wohnen mit einfachem und zweckmäßigem Mobiliar.