Johanna Hartmann

„Aber wenn die Frau aus ihren Grenzen tritt, ist es für sie noch viel gefährlicher“ – Geschlechtermodelle für die Stadt von morgen.

 

In der Mitte der Gesellschaft, aber bitte nicht länger in der Öffentlichkeit des Berufslebens, als Kern der Familie, aber ohne eigenen Raum in der Wohnung – so wird im Westdeutschland der 1950er Jahre der Platz der Frau eingerichtet. Entsprechend den Überlegungen, die Gesellschaft durch die Neugestaltung des Stadt- und Wohnraumes zu formen, sollte die Architektur des Hansaviertels Lebens- und Handlungsanweisungen für den Mensch von morgen geben.

Die Architektur und Aufbaugeschichte des Viertels, die Organisation der Bauausstellung und insbesondere die Entwurfsbeschreibungen der Architekten ebenso wie die Ausrichtung der Interbau-Sonderschau „die stadt von morgen“ sind übervoll mit Geschlechterkonstruktionen. Die vorgeschlagenen Rollenmodelle mit ihrem Anspruch an Modernität verlaufen allerdings nicht starr, sondern bergen immer wieder auch Ambivalenzen. Was der Mann in der Küche macht, wie auch die Mutter zu einem Schreibtisch kommt und wo sich die Frauen hinter der männlichen Architektenriege des Hansaviertels verbergen, sind zu klärende Fragen dieses Beitrags.