Stephanie Warnke

Kalter Krieg, heiße Medien. Berlin in der Architekturkritik

 

Während in Korea oder Vietnam der „Kalte“ Krieg in ganz realen Kämpfen seine Opfer forderte, wurde in Europa auf allen Ebenen ein propagandistischer Krieg der Kulturen ausgefochten. Im geteilten Berlin wurde auch die Architektur, unterstützt durch die Berichterstattung der Medien, zum Propagandainstrument.

In einem ersten Schritt macht mein Vortrag durch die Rekontextualisierung der Entstehung des Hansaviertels deutlich, wie sehr dieses eine Reaktion auf den Wiederaufbau der Stalinallee darstellte, die von den östlichen Massenmedien eifrig betrommelt wurde. In West-Berlin löste die Stalinallee einen regelrechten Schock aus, der besonders gehässige und polemische Kritiken nach sich zog. Das Hansaviertel sollte dagegen auf didaktische Weise „richtige“ Architektur vorführen, die von den westlichen Medien bejubelt wurde.

Kritik am Berliner Wiederaufbau konzentrierte sich in den fünfziger Jahren auf die jeweils andere Seite der Stadt. Die Polemiken des ersten Nachkriegsjahrzehntes verhinderten bzw. verzögerten in West-Berlin eine sachliche und angemessene Auseinandersetzung mit dem Wiederaufbau. Im zweiten Teil des Vortrags wird an zwei zentralen Figuren der West-Berliner Architekturkritik, Ulrich Conrads und Wolf Jobst Siedler, diese Entwicklung von der Huldigung des Hansaviertels bis zur Wiederentdeckung der alten Stadt zu Beginn der sechziger Jahre nachgezeichnet.