Kathrin Peters

Fußgängerzone. Bilder von „aufgelockerten“, „autogerechten“ und „gemordeten“ Städten um 1960

 

Die zerstörten Städte der Nachkriegszeit boten den modernistischen Stadtplanern die Chance für einen kompromisslosen Neuanfang. Die Stadt von und für morgen wurde als bis zum Horizont reichende Stadtlandschaft entworfen, die ordnenden Überblick zu gewähren versprach, wo vordem schieres Chaos vermutet wurde (Reichow 1948/1959, Otto 1959). Die Stadtplaner der Nachkriegszeit gerierten sich als Ärzte eines Stadtkörpers, dessen planloses Wuchern sie in „organisches Wachstum“ zu überführen antraten: Die Gliederung von Grünflächen und Bebauung folgte dem Motiv des Stoffwechsels, in den „städtischen Lebensadern“ sollte der Verkehr fließen und im „Herz der Stadt“ sicherte die Fußgängerzone die Versorgung. Innerhalb der gleichen Organismus-Metaphorik wurde bereits in den frühen 1960er Jahren Kritik am Funktionalismus laut, welcher die Stadt „gemordet“ hätte (Siedler 1961, Conrads 1964, Mitscherlich 1965) und drohe, das Pulsieren des Großstädtischen zum Erliegen zu bringen. Stadt wurde nicht mehr als weitläufige Landschaft, sondern als detailreiches, vielfältiges Durcheinander vorgestellt.

Der Beitrag beschäftigt sich mit der Tatsache, dass diese konkurrierenden Konzepte des Städtischen maßgeblich als visuelle Rhetoriken entworfen und vermittelt wurden – nämlich in zahlreichen Lehr- und Informationsfilmen sowie in Städtebaubüchern, die in hohen Auflagen erschienen. Aufschlussreich ist dabei, dass es unisono die Technisierung und Medialisierung der 1950er war, die als größte Bedrohung für eine „gesunde“ Gemeinschaft ausgemacht wurden – obwohl die Darstellungen, in und mit denen Stadt entworfen wurde, ihrerseits komplexen medialen Strategien aufruhten.