Sandra Wagner-Conzelmann

Die Sonderausstellung die stadt von morgen als Programmatik von gestern

 

Die Ausstellung die stadt von morgen spiegelt nicht nur die etablierten Stadtplanungsmaximen der 1950er Jahre wieder, sondern zeigt zudem auf der Grundlage der pessimistischen Großstadt- und Zivilisationskritik die zeittypischen Denkstrukturen und Wertvorstellungen der deutschen Nachkriegsgesellschaft. Von der Annahme ausgehend, dass die Struktur der Stadt direkte Wirkung auf die Wertebildung der Menschen, auf die Struktur der Gesellschaft und auf das politische System habe, wurde hier die gegliederte, aufgelockerte und durchgrünte Stadt als Grundlage für ein besseres und demokratisches zukünftiges Leben vorgeführt. Dabei bediente sie sich einer Didaktik, die ihresgleichen suchte.

Da im Berlin der Nachkriegszeit Architektur und Städtebau wichtige politische Aussageträger in der Konkurrenz der beiden demokratischen Gesellschaftssysteme waren, war auch die Interbau von Beginn an politisch instrumentalisiert worden. Auch die Sonderausstellung geriet im Planungsverlauf der Interbau in den Strudel der politischen Auseinandersetzung, was sich deutlich auf ihren Inhalt niederschlug.